Warum Gefäßgesundheit in den Wechseljahren über Selbstständigkeit oder Pflegebedürftigkeit entscheidet
Eine beginnende Verkalkung der arteriellen Gefäße tut nicht weh. Sie meldet sich nicht an, sie verursacht keine frühen Symptome, sie bleibt lange unsichtbar. Und genau deshalb gehören die Folgen einer fortgeschrittenen arteriosklerotischen Durchblutungsstörung zu den gefährlichsten und auch tödlichsten Krankheiten unserer Zeit.
„Die Arteriosklerose tut nicht weh“, sagt Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel, Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie. „Aber ihre Folgen tun es. Sehr.“ Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall, Demenz und dialysepflichtiges Nierenversagen sind selten plötzlich da. Sie entwickeln sich über Jahrzehnte – still, schleichend, unbemerkt.
Für Frauen ist der Beginn dieses Prozesses eng mit den Wechseljahren verknüpft. Denn mit dem Rückgang der Eierstockfunktion verlieren wir nicht nur Fruchtbarkeit, sondern auch einen zentralen Schutzfaktor für unsere arterielle Gefäßgesundheit.
Dieser Text ist Teil 2 einer Serie zur Präventionsmedizin mit Nährstoffen und Hormonen. Nachdem Teil 1 die Knochengesundheit beleuchtet hat, geht es nun um eine ebenso entscheidende Frage: Wie gesund sind unsere arteriellenGefäße – und was entscheidet darüber, ob wir im Alter selbstständig bleiben?

Warum Gefäßerkrankungen Frauen in den Wechseljahren einholen
Vor den Wechseljahren sind Frauen statistisch besser geschützt als Männer. Das liegt vor allem am Östrogen, aber auch am Progesteron. Estradiol wirkt stabilisierend auf das Bindegewebe und den Knochen, es reguliert den Fettstoffwechsel und die Verarbeitung von Cholesterin und es beeinflusst den Zucker- und den Energiestoffwechsel. Progesteron senkt den Blutdruck und hat vor allem neben seiner schlaffördernden Wirkung auch eine antientzündliche Kraft.
Mit dem hormonellen Umbruch fällt dieser hormonelle Schutz schrittweise weg. Die Folge: Frauen „holen auf“. Blutdruck steigt, LDL-Cholesterin nimmt zu, der Zuckerstoffwechsel verschlechtert sich, Entzündungen nehmen zu. Nicht abrupt, sondern allmählich über Jahre und Jahrzehnte – unbemerkt.
Das Fatale: Viele dieser Veränderungen gelten in der klassischen Medizin lange als „noch normal“. Behandelt wird häufig erst dann, wenn Grenzwerte deutlich überschritten sind – also zu spät für echte vor Krankheit schützende Prävention.

Arteriosklerose betrifft nicht nur das Herz
Wenn von Gefäßerkrankungen die Rede ist, denken viele zuerst an Herzinfarkt. Tatsächlich betrifft die Arteriosklerose den gesamten Körper. Jede Arterie, die ein Organ versorgt, kann betroffen sein.
Die Folgen sind vielfältig – und gravierend: Herzinfarkt und Herzinsuffizienz, Schlaganfall und vaskuläre Demenz, Niereninsuffizienz bis hin zur Dialysepflicht. Allen gemeinsam ist: Sie schränken die Lebensqualität massiv ein und führen häufig in die Pflegebedürftigkeit.
Dr. Orfanos-Boeckel nennt es nüchtern: „Das ist der ganze Altersmist.“ Und genau deshalb müsse man früher hinschauen – lange bevor akute lebensbedrohliche Symptome auftreten, denn dann ist meist schon das betroffene Organsystem irreversibel geschädigt.
Die wichtigsten Frühwarnzeichen im Labor
Arterielle Gefäßgesundheit oder auch das Risiko eine Arteriosklerose zu entwickeln lässt sich messen. Nicht perfekt, aber besser, als viele glauben. Entscheidend ist nicht ein einzelner Wert, sondern das Zusammenspiel mehrerer sogenannter vaskulärer Risikofaktoren. Sie entscheiden als „Team“ darüber, wie groß die Chancen für die Arterien sind, während der Alterung gesund bleiben zu können. Arteriosklerose fällt nicht vom Himmel. Es braucht dafür bestimmte krankhafte innere „Stoffwechsel-Zutaten“.
Zu den wichtigsten unsichtbaren vaskulären Risikofaktoren gehört neben einem erhöhten Blutdruck, u.a. folgende Gefäß-Krankwerte, die man nur über eine Blutabnahme im Labor objektivieren kann: ein erhöhtes LDL-Cholesterin, ein erhöhtes ApoB, ein erhöhter Langzeitzucker (HbA1c), eine Insulinresistenz, eine erhöhte Harnsäure und der erhöhte Entzündungsmarker CRP. Besonders relevant ist zudem Lipoprotein(a) – ein genetischer Risikofaktor, der unabhängig vom Lebensstil das Arteriosklerose-Risiko erhöht.
Das Problem: In der Regel wird erst gehandelt, wenn diese Werte deutlich pathologisch sind. Bis dahin heißt es oft: beobachten. Für Dr. Orfanos-Boeckel ein systemischer Fehler. Denn die Gefäße altern nicht plötzlich – sie altern kontinuierlich.


Bildgebung: Sehen, was man nicht spürt
Neben Blutwerten spielt auch die Bildgebung eine zentrale Rolle. Besonders bei Frauen empfiehlt Orfanos-Boeckel einen Ultraschall der Halsschlagadern (FKDS). Dort entstehen arteriosklerotische Ablagerungen oft besonders früh.
Kleine Plaques oder eine verdickte Intima-Media-Dicke (Gefäßinnenschicht) bedeuten noch keinen Notfall – aber sie sind ein klares Warnsignal. Sie zeigen, dass der Prozess begonnen hat. Und dass jetzt gehandelt werden muss, wenn man zu Lebzeiten keine akute Folge der Arteriosklerose erleben will.
Lebensstil ist wichtig – aber nicht immer ausreichend
Bewegung, Schlaf und Ernährung sind die Basis jeder Prävention. Daran besteht kein Zweifel. Regelmäßiger Sport verbessert die Gefäßfunktion, senkt Blutdruck und wirkt entzündungshemmend.
Doch Dr. Orfanos-Boeckel warnt vor einer trügerischen Annahme: Dass ein gesunder Lebensstil Frauen automatisch vor Gefäßerkrankungen schützt. Genetik, eine manifeste Osteoporose, hormonelle Veränderungen, Nährstoffmängel und individuelle Stoffwechselunterschiede mit im Alter steigenden Gefäß-Krankwerten im Blut, können dazu führen, dass selbst sehr gesund lebende Frauen im Alter an schwerwiegenden krankhaften Folgen von Arteriosklerose erkranken.
Deshalb gilt ihr zentrales Prinzip: Objektivieren statt hoffen.


Nährstoffe, Entzündung und oxidative Belastung
Nährstoffe können die Gefäßgesundheit unterstützen – aber sie müssen, um zu protektiv zu wirken auf optimal gesunde Zielwerte eingestellt werden. Besonders relevant sind Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), die entzündungshemmend wirken. Entscheidend für eine gesundmachende Wirkung ist die Dosis, die es braucht, um einen optimalen Omega-3-Index von mindestens 9 %, noch besser 11 % zu haben.
Auch B-Vitamine spielen eine funktionelle Rolle, insbesondere bei erhöhtem Homocystein, einem Risikofaktor für Gefäßschäden, welches bei Vitamin B-Mangel krankhaft steigt. Auch eine optimale Versorgung und Einstellung von Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Selen sind sinnvoll, vor allem, wenn Marker für oxidativen Stress nachweisbar erhöht ist.
Wichtig ist dabei immer der Kontext: Nährstoffe wirken unterstützend – nicht magisch. Und immer muss objektiviert werden, ob alles, das, was man gesund macht auch reicht, damit die erhöhten Krankwerte der vaskulären Risikofaktoren (wie Blutdruck, LDL-Cholesterin, HbA1c und HOMA-Index) auch niedrig bleiben oder sind.
Medikamente: Warum Angst hier fehl am Platz ist
Ein heikles Thema, besonders für Frauen. Viele scheuen Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen. Dr. Orfanos-Boeckel plädiert für einen nüchternen Blick: Kleine Dosierungen reichen bei Frauen oft aus, um erhöhte Risiko-Krankwerte deutlich zu senken.
Nicht jedes erhöhte LDL-Cholesterin braucht sofort ein Medikament. Aber wenn Lebensstil, Hormone und Nährstoffe nicht ausreichen und erste arteriosklerotische Veränderungen an den größeren arteriellen Gefäßen sichtbar sind, kann eine medikamentöse Therapie verhindern, dass aus einem Risiko eine manifeste Erkrankung mit lebensbedrohlicher Folge wird.


Altern ist unvermeidlich – Pflegebedürftigkeit oft nicht
Niemand bleibt ewig gesund. Aber vieles von dem, was wir im Alter für „Schicksal“ halten, ist das Ergebnis unbeachteter Prozesse. Gefäßerkrankungen, wie die Arteriosklerose, gehören dazu.
„Wir wollen nicht vermeidbare Pflegefälle werden“, sagt Dr. Orfanos-Boeckel. „Und wir wollen unsere Familien, unsere Kinder und das System nicht belasten.“ Prävention bedeutet nicht absolute Kontrolle über das Leben – sondern die bestmögliche Vorbereitung darauf.
Fazit: Gefäßgesundheit ist eine Lebensstrategie
Gefäße altern leise. Wer sie schützen will, muss früher hinschauen, konsequenter messen und ehrlicher bewerten, ob das eigene Verhalten wirklich ausreicht, damit in 30-40 Jahren nichts passiert.
Nach den Themen Knochen- und Gefäßgesundheit wird klar: Prävention in den Wechseljahren ist kein Lifestyle-Thema. Sie ist eine strategische Entscheidung für die zweite Lebenshälfte.

Gefäßgesundheit & Prävention bei Frauen
Arterielle Gefäßerkrankungen entstehen schleichend.
Arteriosklerose verursacht keine Schmerzen. Sie entwickelt sich oft über Jahrzehnte und macht sich akut erst durch Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen bemerkbar.
Wechseljahre erhöhen das Risiko.
Mit vor allem dem sinkenden Östrogenspiegel verlieren Frauen einen wichtigen Schutz für ihre Gefäße. Blutdruck, Cholesterin- und Zuckerstoffwechsel verschlechtern sich häufig unbemerkt. Und ganz wichtig, auch eine Osteoporose kann zur Entstehung einer Arteriosklerose beitragen, denn wenn sich der Knochen entkalkt, verkalken sich mit höherer Wahrscheinlichkeit die Arterien.
Frühwarnzeichen lassen sich messen.
Wichtige vaskuläre Risikofaktoren sind Erhöhungen von Blutdruck und den Gefäß-Krankwerten im Blut: LDL-Cholesterin, ApoB, Langzeitzucker (HbA1c), Insulinresistenz (HOMA-Index), Entzündungsmarker (CRP), Harnsäure, und Lipoprotein(a). Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Werte. Wenn sie gemeinsam auftreten, multiplizieren das Risiko eine Verkalkung an den Arterien zu entwickeln.
Bildgebung macht Risiken sichtbar.
Ein Ultraschall der Halsschlagadern (FKDS) kann frühe Ablagerungen (Plaques) zeigen – oft lange bevor Symptome auftreten.
Lebensstil ist sehr wichtig, aber nicht immer bis ins hohe Alter ausreichend.
Bewegung, Schlaf und Ernährung sind die Basis. Trotzdem kann sich auch bei einem perfekten Verhalten bei einer schönen Frau bei entsprechender Genetik und Alterung im Rahmen von Hormonverlust und Osteoporose eine Arteriosklerose entwickeln.
Nährstoffe gezielt einsetzen.
Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine, Selen, Zink und antioxidative Nährstoffe wie Vitamin C und Q10 können die Gefäßgesundheit unterstützen – idealerweise individuell so dosiert, dass laborbasiert die Versorgung auf optimale therapeutische Zielwerte eingestellt ist.
Fazit:
Frühe Prävention ab 40 kann das Risiko für Herzinfarkt, Herz- und Niereninsuffizienz, Schlaganfall, Demenz und Pflegebedürftigkeit deutlich senken.
Das neue Buch: Prävention konkret
In ihren ersten beiden Büchern erklärt Dr. Helena Orfanos-Boeckel, wie sich Nährstoffmängel anhand von Laborwerten erkennen und gezielt ausgleichen lassen. Was bislang fehlte, war die konkrete Anwendung dieser Methode auf zentrale medizinische Themen – ebenso wie eine verständliche Anleitung zur präventiven Hormontherapie.
Genau das leistet ihr drittes Buch (orange). Auf rund 400 Seiten zeigt sie, wie die Nährstoff- und Hormontherapie nach Labor (NHT) gezielt zur Prävention von Osteoporose und Arteriosklerose eingesetzt werden kann. Es ist eigenständig lesbar und zugleich die konsequente Fortsetzung der beiden vorherigen Titel – für alle, die Prävention fundiert und nachvollziehbar verstehen wollen.

Dr. med Helena Orfanos-Boeckel
Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel ist ganzheitlich praktizierende Ärztin für Innere Medizin und Expertin auf dem Gebiet der Nährstoffe und körpereigenen Hormone. Sie studierte Humanmedizin in Brüssel und Berlin und absolvierte die Facharztausbildung zur Internistin mit Schwerpunkt »Nephrologie« (Nierenheilkunde) an der Freien Universität Berlin, heute Charité Berlin. Hier verbrachte sie insgesamt 10 intensive und lehrreiche Klinikjahre in unterschiedlichen internistischen Fachabteilungen, der Intensivstation und der Nieren-Transplantationsambulanz.
Seit 2002 arbeitet Helena Orfanos-Boeckel, Ärztin in dritter Generation, in ihrer eigenen Praxis für ganzheitliche Innere Medizin, Stoffwechsel- und Präventivmedizin in Berlin-Charlottenburg.
Regula Bathelt
Regula ist Mitgründerin und CEO von Belle&Yell. Als internationale Marketing- und Branding-Expertin hat sie zahlreiche Marken betreut und mit Unternehmen wie AUDI und der Deutschen Telekom zusammengearbeitet. Mit über 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung in TV, Werbung und Digital Business verbindet sie Kreativität mit strategischem Weitblick. Sie war als Wirtschaftsjournalistin und TV-Produzentin für Sender wie ZDF, RTL und Pro7 tätig, bis sie 1997 die Kommunikationsagentur SMACK Communications mitgründete. Bis heute unterstützt SMACK innovative und dynamische Unternehmen bei der erfolgreichen Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Regula ist überzeugte Europäerin, Wasser ist ihr Element und sie liebt Lesen, Schreiben, Sport und Hunde.



