Uuuurlaub – Für wen jetzt genau?
Es ist August. Schulferien. Urlaubszeit. Andere scrollen vorher durch Ferienhausbewertungen – Mütter jonglieren im Kopf bereits im Juni Packlisten, Impfpässe, der Zahnarzttermin davor, die Frage, ob der Badeanzug vom letzten Jahr noch passt, und die leise Ahnung, dass der Reisepass vom Jüngsten abgelaufen sein könnte.
Denn wenn Familienurlaub ansteht, beginnt für viele Mütter erst mal das Gegenteil von Erholung: ein Projekt, das irgendwo zwischen Eventmanagement, Pflanzenrettung und emotionaler Krisenintervention pendelt.
Aber gut, wir wollten ja weg. Und die Kinder können wir nicht zu Hause lassen (oder vielleicht doch?)…

Phase 1: Wer hat eigentlich „Vorfreude“ erfunden?
Vorfreude ist ein Konzept, das offensichtlich nur in Haushalten existiert, in denen jemand anderes das Packen und Organisieren übernimmt. In den meisten Familien beginnt Urlaub mit einem eskalierenden Strom aus To-dos, immer dramatischere Ansagen ans Erbgut, Schuldgefühlen (Die Überweisungen mach ich von unterwegs…) und dem verzweifelten Versuch, das Haus in einen Zustand zu versetzen, der einer Rückkehr würdig wäre.
Es wird gepackt. Für jeden. Inklusive Ersatz-Kuscheltier, Lieblingskopfkissen, „dem einen Kleid mit den Marienkäfern“, sechs Ladegeräten, 3 Bücher (hahahaha- ernsthaft?!), Reiseapotheke (= eine Apotheke!), Lieblingssnacks,…. . Es wird gleichzeitig überprüft, ob der Haustiersitter wirklich weiß, dass der Kater keine Thunfischstückchen in Sauce mag (und sie auch nicht verträgt – wir erinnern uns an 2022), ob Annika auch die Pflanzen gießt, während man weg ist, und ob man den ganzen Müll noch in die volle Tonne bekommt.
Phase 2: Der Urlaub – Sonne, Sand und Servicementalität
Nach einer Autofahrt, die von Snacks, Staus und stundenlangen Diskussionen über welches Hörspiel JETZT läuft unterbrochen wird, erreicht man endlich das Ziel. Endlich Urlaub. Endlich Erholung.
Jetzt beginnt der Alltag vor schöner Kulisse. Frühstück muss organisiert werden („Mama, die Milch schmeckt anders“), Sonnencreme wird unter wildem Gezappel aufgetragen („nicht in die Augen, NICHT IN DIE AUGEN!“), und die Tasche für den Strand wiegt 17 Kilo – bevor überhaupt das Wasser erreicht wurde. Die Kinder tragen die Luftmatratze….
Lesen am Pool? Grenzwertiges Vergnügen. „Mama, ich muss aufs Klo!“ – und zwar immer, wenn man gerade sitzt. Oder: „Kannst du mal kurz kommen? Mein Handtuch ist voller Sand.“ – Wer hätte es geahnt, am Strand.
Und dann sind da die älteren Kinder. Die mitkommen, wenn man verspricht, dass ein Freund oder eine Freundin mitdarf. Die Pubertiere, die in Badeshorts diskutieren, ob man ihnen WLAN „immer“ geben kann, weil “es ja Urlaub ist und alle anderen das auch dürfen“. Und die auf JEDEM Urlaubsvideo so aussehen, als würden sie in einem Mathe-Camp in Sibirien sitzen.
Das mentale Highlight: Mama im Wachhund-Modus. Immer. Ob beim Schwimmen („Nicht so weit raus!“), beim Sonnen („Du hast keinen Hut auf!!“) oder beim emotionalen Befinden („Ich glaub, Kleinsohn hat Heimweh, weil der Kater nicht da ist“).
Ist das schon Urlaub – oder nur Ortswechsel?


Phase 3: Endlich daheim….
Nach elf Stunden Autobahn, drei Staus, 5 Streitschlichtungen, belegten Rastplätzen und dem säuerlich-süßen Geruch von aufgewärmten Fruchtquetschies auf der Rückbank, kommt man an und stellt fest: Das Haus ist noch fast genau so, wie man es verlassen hat.
Die „noch schnell aufgehängte“ Wäsche im Keller fühlt sich an wie ein feuchter Händedruck der Realität. Und riecht auch so. Der Biomüll, den man „morgen früh rausbringen“ wollte, hat inzwischen Eigenleben entwickelt. Im Kühlschrank warten eine halbe Zitrone, eine leere Senftube und ein aufgeblähter Mozzarella auf Gesellschaft der Essensüberbleibsel von der Autofahrt, auf die man keine Lust mehr hat. Der Koffer mit den Bastelsachen – „die unbedingt mitmüssen!!!“ – steht noch originalverschlossen im Flur.
Und die, die ihren 19-Jährigen daheim gelassen haben, weil er ENDLICH mal alleine entspannen (sorry: chillen) will, öffnen die Badezimmertür und finden:
Kein sauberes Handtuch mehr. Und leider auch kein Klopapier. Dafür fünf leere Duschgel-Flaschen in der Dusche und einen benutzten Rasierer auf dem Fensterbrett.
Die Spülmaschine? Voll. Die Waschmaschine? Auch. Inklusive: miefende Sportsachen daneben, die langsam ein Eigenleben entwickeln.
Verschmierte Küchenschränke – „Mama, ich habe ALLES geputzt, hat Stuuuuunden gedauert…“
Die Haushaltsgeld-Kasse ist selbstverständlich leer, der Pizza-Bote kennt jetzt deinen Nachnamen.
Und der Router? Tot. „Hat sich irgendwie ausgeschaltet“, sagt er. Könnte am 14-Stunden-Streaming-Wochenende liegen…
Der Kalender an der Wand hängt noch im Juli. Die To-dos auch. Und du sehnst dich nach …. Uuuuurlaub….
*Dieser Artikel beinhaltet eine Zusammenfassung von Urlaubsereignissen.
Die Autorin hat alle Ferien überlebt und sich auch ab und zu erholt.😁

3 Mini-Hacks für's Urlauben mit der Familie
1. Packlisten digitalisieren
Erstelle eine Cloud-Notiz (z. B. Notion, Google Keep) und verwende sie jedes Jahr wieder. Für jedes Kind, jede Kategorie. Teile sie mit deinen Kids. Digital funktioniert immer!;)
2. Einkaufslieferung auf Rückkehrtermin planen
Gleich bei Abfahrt im Online-Supermarkt einkaufen und Lieferung auf Rückreisetag timen. Milch, Klopapier, Kaffee und Seelenrettung garantiert.
3. „Ich-bin-raus-Tag“ vor der Arbeit einbauen
Nicht Sonntag zurück und Montag ins Büro. Nein. Rückkehr Donnerstag, Freitag freihalten. Der beste mentale Airbag seit Lavendelspray auf Kopfkissen.
Dagmar Thiam
Dagmar ist Mitgründerin und CMO von Belle&Yell. Die erfahrene TV- und Bühnenmoderatorin mit mehr als 25 Jahren internationaler Expertise war auch lange Jahre als Sportjournalistin tätig. Sie ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Unternehmerin mit einem Diplom in Betriebswirtschaft und internationalem Marketing. Neben ihren Tätigkeiten in Medien und Wirtschaft ist Dagmar auch ausgebildeter Einzel- und Teamcoach und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihr breitgefächertes Fachwissen macht sie zu einer anerkannten Expertin für persönliches und berufliches Empowerment. Die zweifache Mutter liebt Sport (ehemalige Beachvolleyballerin), Groß-Familie, lebhafte Tischgespräche und Baumärkte.


