Die Unternehmerin Julia Neuen von Peaches hat es kürzlich auf den Punkt gebracht. In einem LinkedIn Post stellte sie die Frage: In welchem Alter sind wir Frauen al dente? In den 20ern sind wir zu jung, in den 30ern bekommen wir erst mal Kinder und ab 40 geht es in der öffentlichen Wahrnehmung bergab. Von 50, 60 oder noch älter wollen wir erst gar nicht reden.
Alles Quatsch. Die Realität sieht anders aus: Mit 50 gründen Frauen Start-ups, laufen Marathons oder lernen Surfen. Mit 70 gehen sie auf Tech-Festivals oder machen Podcasts. Das Alter ist nicht mehr die Ausrede, die es mal war – aber die Klischees halten sich hartnäckig.

Das Problem mit Zahlen
Wir reden vom Alter, als wäre es eine fixe Größe, die alles bestimmt – dabei ist es nur eine Zahl. Viel wichtiger: Gesundheit, Energie, Neugier. Und ja, Privilegien spielen auch eine Rolle: Wer gesund ist und Ressourcen hat, kann länger aktiv bleiben. Aber genau deshalb brauchen wir eine neue Erzählung, die nicht mit 40 die Rollos runterzieht.
Die unsichtbare Grenze
In der Arbeitswelt ist Altersdiskriminierung noch immer Standard – vor allem für Frauen. Ab Mitte 40 sinken die Chancen auf Neueinstellungen drastisch. Das Paradoxe: Genau in diesem Alter haben viele die meiste Erfahrung, die beste Resilienz und oft mehr Biss als mit 25. Trotzdem: „Überqualifiziert“, „zu teuer“, „nicht mehr so flexibel“ – die Standardausreden sind so alt wie das System selbst.
Zeit für ein Update
Die „neue Generation Alt“ (45–65+) sieht sich nicht als Auslaufmodell. Sie hat Lust auf Veränderung, Weiterbildung und Neuanfänge. Studien zeigen: Menschen, die sich im Alter neue Ziele setzen, sind glücklicher, gesünder – und leben länger. Psychologen nennen das „Zukunftsorientierung“ – wir nennen es gesunden Menschenverstand.

Drei Mythen, die wir begraben sollten
„Mit 50 ist es zu spät.“
Zu spät – wofür bitte? Für eine neue Karriere? Eine neue Liebe? Einen neuen Sport?
Schon mal mit 50 surfen gelernt?
Mit 54 nochmal verliebt?
Mit 59 das eigene Business gegründet?
💥 Zu spät ist eine Ausrede. Nicht unsere.
„Ältere verstehen keine Technologie.“
Schon mal einer 60-Jährigen beim Zoom-Call zugeschaut? Sie moderiert, chattet, shared den Screen – und nebenbei rettet sie den Teamgeist.
Wir haben unser ganzes Leben lang neue Technik gelernt.
Natürlich können wir auch KI.
Wir reden nur nicht die ganze Zeit darüber.
🧠 Lebenslanges Lernen? Können wir.
„Alt ist gleich langweilig.“
Nur wenn du schon langweilig auf die Welt gekommen bist.
Intensität hat kein Mindestalter und kein Verfallsdatum. Sie entsteht, wenn wir unser Leben nicht im „Autopilot“-Modus abspulen, sondern bewusst steuern – egal, ob wir 25, 45 oder 75 sind.
Der Erlebnishunger wird nicht kleiner – er wird klarer.
🎉 Neugier geht nicht in Rente. Und wir auch nicht.
Unser Plädoyer
Alter ist nicht das Problem – es ist die Ausrede. Statt in Dekaden zu denken, sollten wir in Projekten, Plänen und Abenteuern rechnen. Denn ganz ehrlich: Die Zukunft wird nicht von denen gestaltet, die am lautesten „zu alt“ rufen, sondern von denen, die einfach anfangen.
Übrigens: Ich bin auch gerade 60 geworden und mein Energie-Level ist GANZ OBEN! 🔥💪

Alter in Zahlen
- Lebenserwartung: Frauen in der EU leben im Schnitt 83 Jahre, Männer 78 Jahre (Eurostat 2023).
- Arbeitsmarkt: Laut OECD ist die Beschäftigungsquote von Frauen zwischen 55–64 Jahren in Deutschland bei rund 64 % – Tendenz steigend.
- Altersdiskriminierung: 1 von 3 Arbeitnehmer:innen in Europa berichtet laut EU-Agency for Fundamental Rights, schon einmal aufgrund des Alters benachteiligt worden zu sein.
- Gründerinnen 50+: In Deutschland ist fast jede 5. Gründerin über 50 Jahre alt (KfW-Gründungsmonitor 2023).
- Gesundheit: WHO-Studien zeigen, dass körperliche Aktivität ab 50 nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, sondern auch das Risiko für Depressionen um bis zu 30 % reduziert.
Regula Bathelt
Regula ist Mitgründerin und CEO von Belle&Yell. Als internationale Marketing- und Branding-Expertin hat sie zahlreiche Marken betreut und mit Unternehmen wie AUDI und der Deutschen Telekom zusammengearbeitet. Mit über 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung in TV, Werbung und Digital Business verbindet sie Kreativität mit strategischem Weitblick. Sie war als Wirtschaftsjournalistin und TV-Produzentin für Sender wie ZDF, RTL und Pro7 tätig, bis sie 1997 die Kommunikationsagentur SMACK Communications mitgründete. Bis heute unterstützt SMACK innovative und dynamische Unternehmen bei der erfolgreichen Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Regula ist überzeugte Europäerin, Wasser ist ihr Element und sie liebt Lesen, Schreiben, Sport und Hunde.


