Liebe ist kein Gefühl. Sie ist eine Haltung.

Liebe ist eines der meistbenutzten Worte unserer Zeit – und eines der am wenigsten hinterfragten. Für viele Frauen ist Liebe kein romantisches Gefühl, sondern ein Dauerauftrag: kümmern, halten, funktionieren. Sie ist emotionale Arbeit, Care-Arbeit, ständige Verfügbarkeit. Und sie macht müde.

Rebecca Lina widerspricht dieser Vorstellung radikal. Für sie ist Liebe kein Gefühl, das kommt und geht, sondern eine Haltung. Eine bewusste Entscheidung. Im Gespräch mit Belle&Yell spricht die Schauspielerin, Bestseller-Autorin und Podcasterin darüber, warum Frauen Liebe so oft mit Leistung verwechseln, weshalb Selbstliebe nichts mit Selbstoptimierung zu tun hat – und warum es höchste Zeit ist, sich von der Rolle der weiblichen Hüterin der Liebe zu verabschieden.

Dieser Text ist eine Einladung, Liebe neu zu denken. Und endlich bei sich selbst anzufangen.

Liebe als Haltung – nicht als Leistung

Wenn Rebecca Lina an Liebe denkt, denkt sie zunächst an ein Gefühl, sagt sie. Um sich im nächsten Moment selbst zu korrigieren. Liebe sei kein klassischer Gefühlszustand, sondern etwas, das uns umgibt. Eine Art Grundton, mit dem wir durchs Leben gehen. Diese Perspektive ist entscheidend. Denn wenn Liebe eine Haltung ist, dann ist sie nichts, das wir uns verdienen müssen. Dann ist sie etwas, das wir wählen.

Genau hier beginnt die weibliche Erschöpfung. Frauen lernen früh, Liebe mit Funktionieren zu verknüpfen. Lieb ist, wer sich kümmert, organisiert, ausgleicht. Frauen gelten noch immer als emotionale Infrastruktur der Gesellschaft – rund um die Uhr geöffnet. Sie halten Beziehungen zusammen, Familien am Laufen, Stimmungen im Gleichgewicht – und nennen das Liebe.

„Frauen sind oft in einer absoluten Erschöpfungsspirale“, sagt Rebecca Lina. „Weil sie gelernt haben: Ich bin liebenswert, wenn ich viel tue.“

Die Hüterinnen-Falle

Die Vorstellung der Frau als Hüterin der Liebe klingt positiv, fast spirituell. In Wahrheit ist sie eine Überforderungserzählung. Wer hütet, trägt Verantwortung – für Harmonie, Nähe, emotionale Stabilität. Vor allem für die der anderen.

Rebecca Lina hat sich bewusst von dieser Rolle verabschiedet. Sie sagt, sie sei heute nicht mehr Hüterin der Liebe für alle, sondern Hüterin ihrer eigenen Liebe. Das klingt egoistisch, ist es aber nicht. Es ist Selbstschutz. Denn wer sich selbst dauerhaft vergisst, verliert irgendwann nicht nur die Selbstachtung, sondern auch die Fähigkeit zur echten Verbindung.

Selbstliebe bedeutet für Rebecca keine Mantras und keine Duftkerzen. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit. Mit dem Entschluss, sich selbst nicht immer zuletzt zu begegnen. Besonders am Morgen, bevor Handy, Nachrichten und Erwartungen übernehmen, geht es darum, kurz bei sich zu bleiben. Zu atmen. Zu spüren.

Das klingt esoterisch. Ist es aber nicht. Es ist Alltag. Und eine Frage mentaler Gesundheit.

Bedingungslose Liebe – aber bitte nicht nur nach außen

Als Mutter kennt Rebecca Lina die Erfahrung bedingungsloser Liebe sehr genau. Die Liebe zum eigenen Kind sei überwältigend, sagt sie, nicht verhandelbar. Und genau darin liegt ein Widerspruch, den viele Frauen kennen. Diese Bedingungslosigkeit gilt fast immer nur nach außen. Sich selbst gegenüber bleiben viele Frauen streng, leistungsorientiert und kompromisslos.

Bei Kindern ist Liebe nie verhandelbar. Bei uns selbst schon. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum so viele Frauen emotional müde sind, lange bevor sie alt sind.

Liebe bedeutet für Rebecca Lina jedoch nicht nur Nähe. Sie bedeutet auch Loslassen. Abschied. Ende. Sie erzählt davon, wie sie nach dreizehn Jahren ein eigenes Unternehmen losgelassen hat. Ein Projekt, das sie geprägt hat. „Es hat mir gedient“, sagt sie. „Und dann nicht mehr.“ Loslassen sei kein Scheitern, sondern Selbstfürsorge – im Beruf wie im Privaten.

Verbindung statt Erschöpfung

In Frauenräumen erlebt Rebecca Lina oft eine andere Qualität von Miteinander. Weniger Wettbewerb, mehr Augenhöhe, mehr echtes Zuhören. Nicht, weil Frauen grundsätzlich anders sind, sondern weil sie ähnliche Erfahrungen teilen: Anpassung, Grenzüberschreitungen, unsichtbare Arbeit.

Sisterhood ist deshalb kein Trendwort, sondern ein Gegenentwurf zur Vereinzelung, die viele Frauen erschöpft zurücklässt.

Auch im beruflichen Kontext plädiert Rebecca Lina für einen Perspektivwechsel. Viele Frauen arbeiten aus Angst heraus – aus Angst, nicht genug zu sein, nicht sichtbar zu bleiben, nicht schnell genug voranzukommen. Diese Form von Getriebenheit führt selten zu nachhaltigem Erfolg, oft aber zu Burnout. Wer hingegen aus Verbindung heraus arbeitet, bleibt langfristig handlungsfähig.

Am Ende reduziert Rebecca Lina den Begriff Liebe auf ein einziges Wort: Verbindung. Liebe entsteht dort, wo wir uns bewusst verbinden – mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit dem Leben im Kleinen. Nicht laut. Nicht spektakulär. Aber tragfähig.

Vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit dieses Gesprächs: Selbstliebe für Frauen beginnt dort, wo wir aufhören, uns selbst zu übersehen.

Über Rebecca Lina

Rebecca Lina ist Schauspielerin, Bestseller-Autorin und Gründerin von Elfenkind Berlin. In ihrem Podcast „Liebe“ erforscht sie Liebe als Haltung, Frequenz und Lebenspraxis – jenseits von Romantik und Selbstoptimierung. Ihre Themen: Selbstliebe, Körperwissen, mentale Gesundheit, Spiritualität und weibliche Schöpferkraft. Rebecca Lina lebt in Berlin.

Regula Bathelt

Regula ist Mitgründerin und CEO von Belle&Yell. Als internationale Marketing- und Branding-Expertin hat sie zahlreiche Marken betreut und mit Unternehmen wie AUDI und der Deutschen Telekom zusammengearbeitet. Mit über 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung in TV, Werbung und Digital Business verbindet sie Kreativität mit strategischem Weitblick. Sie war als Wirtschaftsjournalistin und TV-Produzentin für Sender wie ZDF, RTL und Pro7 tätig, bis sie 1997 die Kommunikationsagentur SMACK Communications mitgründete. Bis heute unterstützt SMACK innovative und dynamische Unternehmen bei der erfolgreichen Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Regula ist überzeugte Europäerin, Wasser ist ihr Element und sie liebt Lesen, Schreiben, Sport und Hunde.

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