Immer lächeln, immer lieb sein – Frauen sind darin Weltmeisterinnen. Doch was wie eine Tugend klingt, hat einen hohen Preis: People Pleasing, also das ständige Bedürfnis, es allen recht zu machen, kann uns krank machen. Resilienz-Trainerin Patricia Funk weiß das aus eigener Erfahrung. Sie war selbst eine People Pleaserin – bis sie merkte: Nettsein ist nicht gleich gesund.

Was ist People Pleasing überhaupt?
Der Begriff stammt aus der Psychologie und Coaching-Szene und beschreibt das ständige Zurückstellen eigener Bedürfnisse, um Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir passen unser Verhalten und oft auch unseren sichtbaren Gefühlsausdruck an die Ansprüche anderer an – auch wenn es in uns ganz anders aussieht. Das Ergebnis: Dauerstress, Selbstzweifel, körperliche Beschwerden. „Jedes Mal, wenn wir jemand anderem recht machen, obwohl wir selbst etwas anderes wollen, sagen wir unserem Unterbewusstsein: Ich bin nicht wichtig“, erklärt Patricia Funk.
Warum sind vor allem Frauen betroffen?
Ganz einfach: Erziehung und Gesellschaft. Mädchen werden noch immer zu „brav sein“ und „Kümmern“ erzogen. Wut? Bei Männern wirkt sie stark, bei Frauen „zickig“. Dazu kommt die uralte Angst, aus der Gruppe zu fallen – ein evolutionäres Überbleibsel. Heute führt es dazu, dass wir lieber Ja sagen, auch wenn wir Nein fühlen.
Neben kulturellen Prägungen spielen auch Strukturen eine Rolle. In Deutschland liegt der Gender Care Gap – die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit – bei rund 44 % (BMFSFJ, 2023). Frauen übernehmen also deutlich mehr „Kümmern“ in Haushalt, Pflege und Kindererziehung. Dieses Muster setzt sich im Beruf fort: Sie laufen eher die Extra-Meile, bleiben länger im Büro und übernehmen Zusatzaufgaben – oft unbezahlt.


Die Kosten des Gefallens
People Pleasing – also dauerhafte Selbstverleugnung – wirkt auf drei Ebenen:
- Mental: Stress, innere Unruhe, Gedankenkarussell.
- Emotional: Das Selbstwertgefühl leidet, weil wir unsere Bedürfnisse systematisch abwerten.
- Physisch: Von Verspannungen über Schlafstörungen bis hin zu Burnout.
Kurz: Nettsein kann dich krank machen. Eine Untersuchung der American Psychological Association zeigt, dass Menschen, die chronisch Konflikte vermeiden, signifikant häufiger an Erschöpfungssymptomen leiden.
Karriere-Killer im Job
Wer immer „die Extra-Meile“ läuft, wird nicht automatisch befördert – im Gegenteil. Viele Frauen sind im Job die sprichwörtlichen Arbeitsbienen: Sie rackern, übernehmen Zusatzaufgaben, springen ein, wenn andere fehlen, und halten den Laden am Laufen. Auf den ersten Blick unersetzlich – und genau darin liegt das Problem.
Denn wer als unverzichtbar gilt, wird selten befördert. Arbeitsbienen bleiben im Bienenstock: Sie sind verlässlich, aber nicht sichtbar als strategische Köpfe. Führungskräfte sehen in ihnen die, die funktionieren – nicht die, die gestalten.
Kurz gesagt: Arbeitsbienen sind wichtig. Aber Königin wird man nur, wenn man summt und sticht – also Leistung bringt, aber auch Grenzen setzt.

Wie komme ich da raus?
Patricia Funk rät zu kleinen, radikalen Schritten:
1. Fragen stellen: Vor jeder Entscheidung prüfen – mache ich das für mich oder aus Erwartung anderer?
2. Grenzen setzen: Nein sagen üben. Am Anfang unangenehm, später befreiend.
3. Selbstfürsorge trainieren: Jeden Tag eine Kleinigkeit nur für dich – das stärkt das Selbstwertgefühl.
Neurowissenschaftlich lässt sich das erklären: Wer sein Verhalten ändert, trainiert sein Gehirn neu. Je öfter Grenzen gesetzt werden, desto kleiner wird die Angst vor Ablehnung. Und: Wut zulassen. Wer sie immer runterschluckt, wird irgendwann zum Pulverfass.

Ein globales Phänomen
People Pleasing zeigt sich international unterschiedlich. In Deutschland verstärkt die „Fehlervermeidungskultur“ das Muster. In den USA heißt es „fail fast“ – Fehler gehören dazu. Gleichzeitig zwingt die Netzwerk- und Leistungskultur dort zu einer extrovertierten Variante: „immer dabei sein, immer positiv wirken“. In Asien, etwa in China, verstärken strenge Hierarchien People Pleasing: Untergebene äußern kaum Widerspruch.
Fakt ist: People Pleasing ist keine Charaktereigenschaft, sondern ein erlerntes Muster. Und Muster kann man ändern. Freundlich zu sein bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Im Gegenteil: Wer klar Nein sagt, macht Platz für ein stärkeres Ja – zu sich selbst.
Checkliste: Bin ich eine People Pleaserin?
- Ich sage oft Ja, obwohl ich Nein meine.
- Ich übernehme zusätzliche Aufgaben, obwohl ich schon erschöpft bin.
- Ich mache mir Sorgen, ob andere mich mögen, wenn ich Grenzen setze.
- Ich fühle mich für die Gefühle und Probleme anderer verantwortlich.
- Ich entschuldige mich häufig – auch ohne Grund.
- Ich stelle die Bedürfnisse anderer regelmäßig über meine eigenen.
- Ich habe Angst vor Ablehnung, wenn ich mich durchsetze.
👉 Wenn du bei mehr als drei Punkten innerlich genickt hast: Willkommen im Club der People Pleaserinnen. Aber keine Sorge – aussteigen ist möglich.

3 schnelle Tipps gegen People Pleasing
1. Vor jeder Zusage drei Sekunden innehalten – und prüfen: Will ich das wirklich?
2. „Nein“ üben im Kleinen: bei der WhatsApp-Gruppe, beim Kuchenbacken fürs Büro.
3. Tägliche Selbstfürsorge: Eine Kleinigkeit nur für dich – ein Spaziergang, eine Pause, ein Anruf bei einer Freundin.
Wer fundierte Hilfe braucht, kann ein 1:1 Coaching bei Patricia Funk machen.

Über Patricia Funk
Patricia Funk weiß, was Dauerstress mit Menschen macht. Sie kennt die Mechanismen von Perfektionismus, People Pleasing und Job-Overload – nicht nur aus Büchern, sondern aus eigener Erfahrung. Sie hat jahrelang erfolgreich als Finance Managerin für internationale Unternehmen gearbeitet. Heute unterstützt sie Unternehmen, Teams und Frauen dabei, mentale Widerstandskraft aufzubauen, Stress zu regulieren und gesunde Routinen zu entwickeln.
Regula Bathelt
Regula ist Mitgründerin und CEO von Belle&Yell. Als internationale Marketing- und Branding-Expertin hat sie zahlreiche Marken betreut und mit Unternehmen wie AUDI und der Deutschen Telekom zusammengearbeitet. Mit über 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung in TV, Werbung und Digital Business verbindet sie Kreativität mit strategischem Weitblick. Sie war als Wirtschaftsjournalistin und TV-Produzentin für Sender wie ZDF, RTL und Pro7 tätig, bis sie 1997 die Kommunikationsagentur SMACK Communications mitgründete. Bis heute unterstützt SMACK innovative und dynamische Unternehmen bei der erfolgreichen Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Regula ist überzeugte Europäerin, Wasser ist ihr Element und sie liebt Lesen, Schreiben, Sport und Hunde.


